Dong Hyuk Na
In den 50 Jahren seit dem Koreakrieg waren etwa 10 000 Kriegsdienstverweigerer inhaftiert, die meisten davon Zeugen Jehovas. Erst in diesem Jahrhundert erschienen KDVer aus ideologischen und politischen Gründen in der Öffentlichkeit, was mit ernsthaften Überlegungen zu Militarismus und Nationalismus verknüpft war. Die sich nach dem 11. September 2001 in Korea entwickelnde Anti-Kriegs-Bewegung übte einen enormen Einfluss auf ihre Überzeugung gegen Krieg und für Frieden aus. Ich bin einer von ihnen und der vierte KDVer aus nicht-religiösen Gründen. Meine Erfahrungen als aktives Mitglied der StudentInnenbewegung, wo ich mit KommunistInnen in Berührung kam, führten bei mir zu einer heftigen Ablehnung des nationalen Machtapparats. Allerdings war ich aufgrund des starken Einflusses der StudentInnenbewegung mit ihrer Betonung eines Kollektivansatzes eher unkritisch gegenüber dem inneren Militarismus.
Der Austausch mit den drei KDVern vor mir führte nicht nur zu einer umfangreichen Veränderung meiner Ansichten, sondern nach ernsthafter Befragung meines Gewissens auch zu der Entscheidung, selbst zu verweigern. In der festen Überzeugung, dass wir Frieden mit friedlichen Mitteln erreichen können und dafür das Kriegssystem aufheben müssen, habe ich am 12. September vergangenen Jahres öffentlich meine Verweigerung erklärt. Nachdem ich zunächst zu 1½ Jahren Haft verurteilt, in zweiter Instanz aber gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde, ist mein Verfahren immer noch in der Schwebe.
Derzeit engagiere ich mich in der KDV-Gruppe "World Without War" (Welt ohne Krieg) und beteilige mich an verschiedenen Friedensaktionen.
